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Spanien und Österreich im 20. Jahrhundert

Österreich und Spanien 1918 - 1938

Bearbeiter: Mag. Johannes Leichtfried

Thema des Projektes ist, in welchem Ausmaß Spanien und die Erste Österreichische Republik im Zeitraum zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Jahr 1938 in politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontakt und Austausch standen und wie sich die neu formulierten diplomatischen Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern im Europa der Zwischenkriegszeit entwickelten und manifestierten.

Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie kommt es in Österreich zu einem Bruch mit der Vergangenheit, der Übergang zur Republik wird vollzogen. Im Gegensatz dazu hatte das alte System mit den sich abwechselnden Regierungen der dynastischen konservativen und liberalen Parteien im nicht am Ersten Weltkrieg beteiligten Königreich Spanien noch bis 1923 Bestand. Ab 1923 folgt in Spanien eine Militärdiktatur unter Primo de Rivera unter Duldung Königs Alfons XIII. Als schließlich 1931, nachdem pro-republikanische Parteien in den größeren Städten die Gemeindewahlen gewonnen haben, die Zweite Spanische Republik ausgerufen wird und der König in Exil geht, befinden sich in Europa autoritäre und faschistische Bewegungen schon eindeutig auf dem Vormarsch, wobei Österreich hier keine Ausnahme darstellt. Davon zeugt das Ende des Parlamentarismus 1933, die Zerschlagung der Sozialdemokratie im Februar 1934 und die Errichtung des Österreichischen Ständestaates. Zusehends verschärfen sich die politischen und sozialen Konflikte auch in Spanien: Die rechte Regierung der Republik lässt im Oktober 1934 einen Arbeiteraufstand in Asturien blutig niederschlagen. Im Gegensatz zu Österreich blieb die Demokratie jedoch erhalten und den Parteien der Linken gelang es, 1936 die Wahlen zu gewinnen. Im spanischen Bürgerkrieg unterstützten österreichische Freiwillige in großer Zahl die Spanische Republik, sahen sie doch darin auch eine Fortsetzung ihres im Februar 1934 verlorenen Kampfes gegen den Austrofaschismus. Auch auf Seiten der Aufständischen finden sich, wenn auch nur sehr vereinzelt, österreichische Sympathisanten. Während Österreich der Expansion des Nationalsozialismus im März 1938 nichts mehr entgegenzusetzen hat und international keine Unterstützung für die Aufrechterhaltung seiner Unabhängigkeit finden kann, gewinnt Franco im Spanischen Bürgerkrieg - unterstützt von Italien und Nazideutschland - zunehmend die Oberhand.

Vor diesem Hintergrund werden die Beziehungen der Ersten Republik zum Königreich Spanien, zur Zweiten Spanischen Republik und für die Zeit des Bürgerkrieges auch zu den Aufständischen verfolgt werden. Hauptbasis der Forschungen ist bisher nicht erfasstes und unveröffentlichtes spanisches und österreichisches Archivmaterial. Darüber hinausgehend werden auch die Rezeption, Einordnung und Bewertung der Ereignisse und der politischen Lage in Österreich aus spanischer Sicht sowie direkte Kontakte zwischen Akteuren und politischen Bewegungen beider Länder Thema des Projektes sein, das in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck durchgeführt wird.